Ich war mal mehr als ein halbes Jahr nicht krankenversichert. Es ist schon 10 Jahre her und war, weil ich von Österreich nach Deutschland umgezogen bin und - schönes Gerade von Mobilität innerhalb der EU hin und her - dort dann keine Ansprüche hatte. Weil ich aber nicht mehr in Österreich war, galt aber auch mein Krankenversicherungsanspruch über die österreichische Arbeitslosenversicherung auch nicht mehr. Geld, um selbst eine Krankenversicherung zu zahlen hatte ich auch keines - denn im Zweifelsfall geht dann doch Miete und Essen vor.
Nicht krankenversichert zu sein, ist ein ständiges latentes Gefühl der Unsicherheit, ist ein kleiner Adrenalinschub, immer wenn ich daran gedacht habe. Es darf einfach nichts passieren, ich darf nicht stolpern oder mir den Fuß brechen und ich darf nicht ernsthaft krank werden. Einmal hatte ich starke Zahnschmerzen - der Weg führte in die Apotheke, um rezeptfreie Schmerztabletten zu besorgen, nicht zum Arzt. Tja, da weiss ich dann, das ist keine nachhaltige Lösung - aber was sollte ich machen?
Heute bin ich krankenversichert und auch wenn ich mich über Rezeptgebühren, Zuzahlungen für die Brille und alles mögliche ärgere, gibt es mir doch ein Gefühl der Sicherheit. Im Falle des Falles springt die Solidargemeinschaft ein.
So können sich 100.000 Menschen in Österreich, fast 2% der Wohnbevölkerung, nicht fühlen. Sie sind nicht krankenversichert. Das zeigt Martin Schenk, Sozialexperte der Armutskonferenz heute in einer Aussendung auf und verweist auf die verschiedenartigen Ursachen, doch allen Betroffenen ist gemeinsam, dass sie geringes Einkommen haben.
Eine Schande für so ein reiches Land wie Österreich!
Foto: Gunnar Ries
