Für eine inklusive Schule der 10- bis 14-Jährigen
Es tut sich wieder was in Fragen der Bildungspolitik. Heftig wird derzeit in den Medien über die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen diskutiert. Eine neue Facebook-Gruppe initiert von ThemaTisch lädt dazu ein, dafür auch Gesicht zu zeigen.
Eigentlich ist es mir egal, ob das Gesamtschule oder inklusive Schule heisst, wichtiger ist meiner Meinung nach was drinsteckt. Mit dem Begriff "Gymnasium für alle" kann ich weniger anfangen, weil da implizit eine Abwertung der Hauptschulen ausgesagt ist.
Trotzdem ist es Ministerin Karl zu danken, dass sie die Debatte angestossen hat.
Es muss um eine Schule für alle Kinder gehen, eine Schule, die so gestaltet ist, dass sie der Unterschiedlichkeit der Kinder gerecht wird und sie dort fördert und unterstützt, wo sie es eben brauchen. Apropos gerecht - ich bin davon überzeugt, dass eine inklusive Schule ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit wäre. Klar, auch diese Schulform löst nicht alle Probleme, aber es wäre doch ein Weg der Schulpolitik in die richtige Richtung, wie Beispiele aus dem Ausland zeigen. Noch immer entscheidet die Herkunft der Kinder über die Bildungsbiografie - und diese dann zumeist über sehr viele Chancen im Leben.
Ich selbst bin in die Hauptschule gegangen, in den ersten Klassenzug und dann weiter in ein Oberstufenrealgynasium bis zur Matura. Das mit den Klassenzügen gibt es ja heute Gott-sei-Dank nicht mehr, dieses Modell wurde von den Leistungsgruppen abgelöst.
Nur wer für Minarette schreit, darf für das Kreuz in Schulklassen eintreten
Der von den Nazis ermordete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer sagte schon 1938 "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen!". Das ist mir heute wieder eingefallen - angesichts mancher Beiträge in der Facebook-Gruppe "Pro Kreuz in Schulklassen". Dort wird von manchen, sicher nicht allen, das Kreuz in öffentlichen Räumen mit einer österreichischen, europäischen "Leitkultur" argumentiert und es wird vor der "Islamisierung" Österreichs gewarnt, die vor allem dadurch zum Ausdruck kommen würde, dass es Minarette im öffentichem Raum gibt. Eine Antwort dazu: "drah di ham".
Ich meine, es geht fehl, wenn für das Kreuz in Schulklassen primär mit der Kultur argumentiert wird. Wir leben in einer pluralen Gesellschaft, in manchen Bereichen ist das Christentum schon lange nicht mehr Mainstream. Was als Orientierung in einer Gesellschaft der Vielfältigkeit gelten kann, ist das Grundrecht auf Religionsfreiheit - und diese kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass religiöse Symbole nicht nur Privatsache, sondern auch in öffentichen Räumen präsent sein können. Von Maxi, Marco und dem Weg zu einer gerechten Schule: Bildung ist nicht automatisch gut und gerecht
Foto: martinwaubke
Der Broschüre "Auf dem Weg zur gerechten Schule" (Download als pdf), herausgegeben von der Arbeitsgruppe Bildungsgerechtigkeit der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), steht die Geschichte von Maxi und Marco voran. Beide sind eigentlich gute Schüler - und doch haben sie unterschiedliche Chancen, weil entschieden wurde, dass Maxi ins Gymnasium geht und Marco in die Hauptschule. Und sie kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern. Da wird wirksam, dass die Bildung der Eltern die Tendenz der Bildung der Kinder bestimmt. Nur ein Viertel der Kinder, deren Eltern als HilfsarbeiterInnen arbeiten, besuchen die AHS-Oberstufe oder die BHS (24,8%), während dies drei Viertel (74,3%) der Kinder aus Familien tun, deren Eltern hochqualifizierte Tätigkeiten ausüben.
