Ein Leben als Facebook-Stream
Das Leben als Facebook-Stream, mit allen Hochs und Tiefs (via). Ein wirklich gut gemachtes, sehenswertes Video, und doch bleibt bei mir ein etwas schaler Eindruck. Irgendwie ist mit dieser Anhäufung von Bildern und Fakten noch lange nicht alles über das Leben von Menschen gesagt. Vor und nach dem Logout. Das Geborensein von einer Frau kommt überhaupt nicht vor .... Die Fragen nach dem mehr, dem Warum, dem Sinn, dem Ganzen blieben oder werden sogar noch zugespitzt, weil das alles so schnell abläuft. Vielleicht ist es sogar genau das, was da nicht vorkommt, das auf was es wirklich ankommt ...
Was meint ihr? Geht das überhaupt das Leben als Facebook-Stream?
Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet
Eigentlich denke ich mir, nicht auf jede Kritik an der Kirche muß ich reagieren. Beim ersten Überfliegen des aktuellen Kommentars in der KUPF-Zeitung zur katholischen Kirche ist mir das auch gleich wieder eingefallen. Doch dann habe ich die "Gnackwatschn" nochmal gelesen und angefangen mich immer mehr zu ärgern. Nicht weil da jemand schreibt, der nicht an Gott glaubt und die Kirche kritisiert. Auch nicht, weil jemand zum Kirchenaustritt aufruft. Nein, das finde ich wichtig und es hat notwendig Platz in der Öffentlichkeit einer pluralen Gesellschaft: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst" (Voltaire). Ich kann mich an so manche spannende und herausfordernde Diskussion mit ProtagonistInnen eben dieser Position erinnern, auch in der KUPF.
Blockade, Ohnmacht und Angst - und Franz Jägerstätter
Landesausstellung "Renaissance und Reformation" ohne Bezug zum Heute
Am Samstag war ich mit FreundInnen in der OÖ. Landesausstellung zum Thema "Renaissance und Reformation" im Schloss Parz in Grieskirchen. Wir haben eine Führung gehabt und uns auch sonst noch umgeschaut, nebenan gibt es einen richtig netten Bioladen mit Produkten aus der Region und die Möglichkeit E-Bikes zu probieren. Ein echt netter Ausflug an einem verregneten Nachmittag.
Inhaltlich war ich aber enttäuscht, das Ausstellungskonzept ist schon etwas bieder, ausser für Kinder gibt es kaum Interaktionsmöglichkeiten. Wenn ich es nicht schon vorher gewusst hätte, wüsste ich nach dem Besuch der Landesausstellung nicht, was KatholikInnen und ProtestantInnen bis heute unterscheidet. Wir haben über die Erfindungen und Entdeckungen der beginnenden Neuzeit gehört, über das sich wandelnde Menschenbild des Humanismus und der Renaissance, doch wurde sehr reduktionistisch der Ablasshandel als Ursache der Reformation dargestellt. "Sola scriptura, sola gratia, sola fidei" wurde genannt, aber nicht wirklich erklärt, schon gar nicht im Kontext der Unterschiede der Konfessionen. Und selbst beim Thema der Glaubenskriege und der Verfolgung Andersgläubiger blieben die Informationen ziemlich an der Oberfläche und Joseph II. ist ja auch nicht vom Himmel gefallen ;-) Mag sein, dass BesucherInnen, die gar keine Ahnung vom Thema haben, da etwas Neues erfahren ...
Ein sommerliches Ypsilon
Ist der Dom nur noch eine TouristInnenattraktion?

In den heutigen Oberösterreichischen Nachrichten kommentiert Helmut Atteneder unter dem Titel Domgeflüster eine Szene in Linzer Dom. Dompfarrer Maximilian Strasser hatte einen Schweizer Touristen gebeten, seine Kappe abzunehmen. Für den Autor offenbar ein Grund zu fragen, ob die Kirche denn keine andere Sorgen hat.
Ja, es gibt wichtigeres, andere Themen wie zum Beispiel soziale Gerechtigkeit, die für die Menschen essentieller sind. Und doch: Der Dom, überhaupt Kirchen, sind meiner Meinung nach nicht in erster Linie TouristInnenattraktionen, sondern eben Gotteshäuser, die Menschen auch ausserhalb der Gottesdienste zum Gebet, zum Verharren, als Raum der Stille, als Platz der Unterbrechung (im übrigen die kürzeste Definition für Religion) nutzen können sollen. Vielleicht auch, um Kraft dafür zu tanken, sich als Christin oder Christ aktiv in diese Gesellschaft einzumischen und "die großen Themen" anzugehen. Vielleicht einfach nur für ein paar Minuten Ruhe. In ständiger Betriebsamkeit verliert man_frau den Blick auf das Wesentliche. In der Unterordnung der Anders-Orte der Kirchen unter die Kommerzlogik wird der Blick nicht frei für das Wesentliche.
Wäre Gott Prokrastinierer gewesen ...
Definitiv zum Schmunzeln, dieser Tweet. Mich wundert auch nicht, dass das jemand genau am Montag einfällt. Aber eigentlich bin ich ganz froh, dass Gott kein Prokastrinierer ist, sondern das Gott ganz konkret in der Geschichte der Menschen erfahrbar ist und er/sie mit uns geht.

Der männliche Fußballgott tummelt sich wieder
Als Theologin fällt mir natürlich auf, dass sich die Beiträge zu Kirche und Fußball und zur theologischen Relevanz von Fußball in dieser Zeit häufen. Vermutlich steht Fußball paradigmatisch für eine Populärkultur, die durchzogen ist von kulturellen Momenten der Religionen, an deren Mustern sie partizipiert. Ansgar Kreutzer* vertritt die These, dass sich im Fußballsport "die durch Zweckrationalität geprägte Gesellschaft" das "Scheitern ihres eigenen Machbarkeitsmythos" in mythisch-ritueller Form inszeniert. Da überrascht es dann nicht, dass die ganze Palette religiösen Vokabulares im Sprechen über Fußball vorkommt. Allerdings wäre es verfehlt deswegen und wegen religiöser Verhaltensformen am Fußballplatz Religion und Fußball 1:1 zu identifizieren. Beim Fußball ist es nie klar, wer gewinnt. Beim Fußball wird eine "Sensibilität für das Unverfügbare" sichtbar, dass nur Religion und Theologie kultivieren können. Mit dieser Wahrnehmung kann ich mich auch als eine, die noch nie am Fußballplatz war, identifizieren.
Männerfußball
Es ist schon bemerkenswert, dass alle von der "Fußball-WM" sprechen und damit die Männerfußballweltmeisterschaft meinen als ob Frauen gar nicht Fußball spielen würden. Darin wird meines Erachtens besonders deutlich wie sehr die gesellschaftliche Wahrnehmung noch immer geprägt ist von der Wahrnehmung des Männliches als das Normale, die Regel und dem Weibliches als die Ausnahme, dem Sonderfall. Dazu sei im Kontext des oben zum Gott Fußball gesagten die unlängst leider verstorbene feministische Theologin Mary Daly mit ihrem bekanntesten, aber immer wieder bedenkenswerten Satz zitiert: "Wenn Gott männlich ist, ist das Männliche Gott".** - 1
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