Seit kurzem gibt es die sogenannte Buskampagne auch in Österreich. Weil die Wiener Linien diese Werbung mit dem Slogan "Es gibt keinen Gott" abgelehnt haben, findet sich diese Kampagne mittels Plakaten nun im öffentlichen Raum. Die Kampagne ging von England aus und ist in mehreren europäischen Ländern präsent. Interessant ist, dass der ursprüngliche Slogan "There is probably no God" bei uns ohne "probably", deutsch "vielleicht", aufscheint.
Der ORF-Report berichtete am 21. Juli 2009:
Ich schließe mich dem Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner an, der diese Kampagne positiv sieht, denn sie regt dazu an, dass öffentlich über Gott und die Bedeutung von Gott diskutiert wird. Dass die Katholische Kirche so eine Kampagne finanzieren sollte, würde ich aber dann doch nicht gleich meinen. Sicher hat auch Kardinal Schönborn recht, wenn er anmerkt, dass die Kampagne auf den Plakaten wenig inhaltliche Argumente bringt. Das ist aber natürlich auch der Logik des Mediums geschuldet. Vielleicht ist ja auch gerade die Offenheit das Spannende und Diskussionsanregende dabei. Denn liest man/frau bei den Buskampagnen-Menschen in deren Blogs nach, kommt das Gefühl auf, dass sie sowieso keine wirklich neuen Argumente der Religionskritik bringen, sondern eher einen schalen, oft undifferenzierten Abklatsch dessen, was Ludwig Feuerbach und andere schon vor vielen Jahren geschrieben haben.
Bei den Wiener Plakaten steht unter dem zentralen Slogan "Gutes Tun ist menschlich. Auf uns kommt es an". Ja, klar, Ethik, gutes Leben, Verantwortung für die Welt und unsere Mitmenschen, ist auch ohne Gott und Religion denkbar. Ich kenne viele Menschen, die ein verantwortliches Leben leben, ohne dass Religion eine Rolle spielt.
Nur eines glaube ich nicht, nämlich, dass damit schon alles gesagt ist, alles gedacht ist, dass damit alle existentiellen Fragen des Menschen einfach weggewischt sind. Im Gegenteil: Genau dieser Übereifer der Buskampagnen-Menschen zeigt, dass für uns Menschen etwas offen ist, dass Naturwissenschaft und Ökonomie nicht ausreichen, Antworten auf die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens zu geben. Die Fragmentarität und Brüchigkeit des Lebens ist für mich ein Zeichen dafür, dass wir zwar viel tun können in dieser Welt, aber eben nicht alles. Ja, unserer Leben, unser Geborensein, ist uns geschenkt wie uns auch im Alltag immer wieder etwas zufällt an zwischenmenschlicher Zuwendung, an Gutem, ohne, dass wir dafür eine Leistung erbracht haben - in der Theologie nennt sich das dann Gnade. Das klingt furchtbar altmodisch, aber genau darum geht es, wenn Menschen "Gott" sagen - und auch, wenn jemand "Gott" auf Plakat schreibt, markiert er/sie damit genau diese Frage nach dem Sinn des Ganzen.
Zentral erscheint mir in der Argumentation der InitiatorInnen der Buskampagne, das Argument, dass sich Gott mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht beweisen lässt. Natürlich ist das richtig, Gott lässt sich naturwissenschaftlich nicht beweisen genau so wenig wie sich damit beweisen lässt, dass es Gott nicht gibt. Die Frage nach Gott, nach dem Ganzen ist einfach keine naturwissenschaftliche Frage, sondern eine Sinnfrage, eine existentielle Frage aus der Ersten-Person-Perspektive - darüber wurde übrigens auf der Ökumenischen Sommerakademie in Kremsmünster unlängst diskutiert. Schade, dass solche und ähnliche Veranstaltungen nicht noch mehr Gegenstand breiter öffentlicher Debatten sind. Aber vielleicht wird das ja noch - die Buskampagne zeigt ja vor, wenn auch aus einer bestimmten Perspektive, dass es durchaus interessant sein kann, die Frage nach Gott in die Öffentlichkeit zu tragen.
UPDATE: Nun gibts es auch einen Beitrag der ORF Orientierung (26.7.2009) zum Thema
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Andrej
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Gast