
In den heutigen Oberösterreichischen Nachrichten kommentiert Helmut Atteneder unter dem Titel Domgeflüster eine Szene in Linzer Dom. Dompfarrer Maximilian Strasser hatte einen Schweizer Touristen gebeten, seine Kappe abzunehmen. Für den Autor offenbar ein Grund zu fragen, ob die Kirche denn keine andere Sorgen hat.
Ja, es gibt wichtigeres, andere Themen wie zum Beispiel soziale Gerechtigkeit, die für die Menschen essentieller sind. Und doch: Der Dom, überhaupt Kirchen, sind meiner Meinung nach nicht in erster Linie TouristInnenattraktionen, sondern eben Gotteshäuser, die Menschen auch ausserhalb der Gottesdienste zum Gebet, zum Verharren, als Raum der Stille, als Platz der Unterbrechung (im übrigen die kürzeste Definition für Religion) nutzen können sollen. Vielleicht auch, um Kraft dafür zu tanken, sich als Christin oder Christ aktiv in diese Gesellschaft einzumischen und "die großen Themen" anzugehen. Vielleicht einfach nur für ein paar Minuten Ruhe. In ständiger Betriebsamkeit verliert man_frau den Blick auf das Wesentliche. In der Unterordnung der Anders-Orte der Kirchen unter die Kommerzlogik wird der Blick nicht frei für das Wesentliche.
Ich kann den Maximilian Strasser gut verstehen, dass er sich darum bemüht, gewisse Regeln im Dom einzufordern. Für mich ist es im Urlaub selbstverständlich, mich vorab über die "Spielregeln" anderer Orte zu informieren und ich habe mir auch schon extra ein Kopftuch für eine Moscheebesichtigung mitgenommen. Warum sollte das in einem christlichen Gotteshaus nicht genauso klappen? Vielleicht wird dadurch sogar der Tourismus interessanter, wenn damit auch ein kleines Stück Einlassen auf Gebräuche der Religionen verbunden ist. Über die Frage, warum es in einer Kirche üblich ist, dass Männer keine Kopfbedeckung tragen, würde der Linzer Dompfarrer sicher freundlich Auskunft geben.
Foto: a_kep
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Veronika Pernsteiner