Gerechtigkeit

ArbeitsFAIRteilung

"Bevor i d'Hackn verlier, hab i liaba Kurzarbeit", sagte gestern ein Verwandter zu mir. Bereits im Vorjahr hatten sie in seiner Firma Kurzarbeit. Immer wieder verlängert dauerte sie letztendlich das gesamte Jahr, als Alleinverdiener mit drei Grundschulkindern wurde es finanziell spürbar enger - aber es war zum Auskommen.
Kurzarbeit kann bedeuten, vorhandene Arbeit fair aufzuteilen und: sie kann den Blick öffnen für das Leben außerhalb der Erwerbsarbeit. Ich vermute, so mancher kam auf den Geschmack und merkte plötzlich, wie angenehm es ist, wenn die Berufsarbeit nicht das ganze Leben frisst.
Also warum nicht generell weniger erwerbsarbeiten? Es gibt genug andere, notwendige  Arbeit, die getan werden muss, damit unser Leben und unsere Gesellschaft gut funktioniert. Dass sich Kurzarbeit (= kürzere Normalarbeitszeit) organisieren lässt, hat das vergangene Jahr gezeigt. Also bleibt die Frage nach dem Willen zur Umsetzung. Und die Frage nach einem angemessen Einkommen zum Auskommen. Doch diese Frage stellt sich für viele so oder so.

Transparenz ja - oder doch nicht?

In den vergangenen Monaten ist in Österreich der Ruf nach mehr Transparenz in Bezug auf soziale Transferleistungen laut geworden: Wer bekommt wie viel an finanzieller Unterstützung, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Gibt es Leute, die das Sozialsystem ausnützen und mehr Geld bekommen, als ihnen gesetzlich zusteht?

Auffallend ist, dass sich manche EntscheidungsträgerInnen in Politik und Wirtschaft nun in der ebenfalls öffentlich gewordenen Debatte um Steuerhinterziehung (in Deutschland) vornehm zurückhalten und beispielsweise von einer Lockerung „unseres“ Bankgeheimnisses zugunsten höherer Transparenz nichts wissen wollen. Wie passt das zusammen?
 

Ehre, wem Ehre gebührt

Menschen vor den Vorhang holen, die sonst wenig im Rampenlicht stehen - das tut der Solidaritätspreis der Linzer Kirchenzeitung, der Menschen und Gruppen ehrt, die sich durch besonders richtungsweisendes solidarisches Handeln auszeichnen. Noch bis 15. Februar können Vorschläge online wie offline eingereicht werden. Dotiert ist der Preis mit ingesamt € 18.000.-

"Es geht um mehr Menschlichkeit, um mehr Miteinander von In- und Ausländer/innen, von Jung und Alt, von behinderten und nicht-behinderten Menschen, von Natur und Umwelt, von Gesunden und Kranken, von Stadt und Land oder von Industrie- und Entwicklungsländern".

Beim Blick auf die PreisträgerInnen der Vorjahre wird deutlich, dass dieser Preis dem eigenen Anliegen mehr als gerecht wird und einen wertvollen Beitrag dazu leistet, den Fokus der Ehrwürdigkeit dorthin zu verschieben, wo er hingehört: Auf engagierte Menschen, die sich für Gerechtigkeit, Solidarität und Nachhaltigkeit stark machen - im Kleinen wie im Grossen.

Ob dieses Jahr wohl auch Online-Projekte dabei sein werden?

Machen wir 2010 zum Jahr der tatsächlichen Armutsbekämpfung!

eapn_kampagne „Schreiben Sie dem Finanzminister und dem Regierungschef. Fordern Sie diese auf, das Jahr 2010 zu einem tatsächlichen Jahr der Armutsbekämpfung zu machen. Und setzen Sie sich für eine Mindestsicherung ein, die aus der Armut führt und zum Leben reicht“, so beginnt der Aufruf der Armutskonferenz an alle, die das Europäische Jahr der Armutsbekämpfung 2010 gut genützt wissen wollen.

Das Netzwerk sozialer Organisationen lädt dazu ein, Bundeskanzler Werner Faymann und Finanzminister Josef Pröll Emails zu senden und sie aufzufordern, guten Vorsätzen auch Taten folgen zu lassen. Das geht komfortabel auf der Website http://gegen.armut.at/.

"Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder neuen Statistik frisch zu bestaunen gilt", denn es gibt genug Möglichkeiten, auch in Zeiten der Wirtschaftskrise wirksam gegenzusteuern - im Vollzug der Sozialhilfe, in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen. Zentrale Forderung ist eine Mindestsicherung, die diesen Namen auch verdient und das Notwendigste für alle sicherstellt.

Ich habe meine Emails mit meinen Neujahrswünschen an die Politik schon verschickt.
Du auch?

[Auch auf Santa Precaria]

Der Knalleffekt und seine Nebenwirkungen

Alljährlich knallt es wieder, Hunde verstecken sich unterm Sofa und hohe Geldsummen werden in den Himmel geschossen, um für wenige Minuten bestaunt zu werden. Ja, Sylvesterabend und das obligatorische Feuerwerk zum neuen Jahr.

Die Feuerwerksindustrie ist eine Industrie der Armen - darauf weisst Jugend eine Welt hin. "Der größte Feuerwerksproduzent weltweit ist China, gefolgt von Indien und einigen Staaten in Mittel- und Südamerika wie Peru, Guatemala und El Salvador. Meist erfolgt die Herstellung der Feuerwerkskörper unter schrecklichen Bedingungen. Bestimmungen, die den Umgang mit den gefährlichen und gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen der Knaller und Raketen - wie Schwarzpulver - regeln sollen, existieren häufig nicht oder werden missachtet. Die bei der Produktion von Feuerwerkskörpern eingesetzten Chemikalien führen in vielen Fällen zu massiven gesundheitlichen Schäden, wie chronischer Bronchitis, Tuberkulose und Missbildungen der Haut. Hinzu kommt das ständige Risiko von Feuer und Explosionen - nicht selten kommen ArbeiterInnen dabei ums Leben." Auch Kinder arbeiten an der Produktion der Feuerwerkskörper mit: "Kinderleid mit Knalleffekt".

Einen Alternativvorschlag hat die Katholische Jugend: Mit der Aktion Brot statt Böller wird dazu eingeladen, den Jahreswechsel solidarisch zu feiern, auf den rasch vergänglichen Knalleffekt zu verzichten und statt dessen nachhaltige Projekte im Süden zu unterstützen, dieses Jahr die Tribal and Dalit Women's Development Society in Tamil Nadu, Südindien.

Sturmläuten für gerechtes Klima während UN-Klimakonferenz

Anlässlich der UN-Klimakonferenz senden Kirchenglocken auf der ganzen Welt ein deutliches hörbares Signal an die Politik: „Schaffen Sie ein Klima der Gerechtigkeit!“

Am Sonntag, den 13. Dezember um 15.00 Uhr, werden in Europa, wie auch in allen anderen Teilen der Erde, katholische und evangelische Pfarren, viele in Österreich, Sturm für ein gerechtes Klima läuten.

Mehr Informationen zur Kampagne und viele Hintergrundinformationen zum Zusammenhang von Armut und Klimawandel gibt es auf der Kampagnen-Website http://www.klimafairbessern.koo.at.

Eisbären fallen vom Himmel

Must see! Eisbären fallen vom Himmel:

Was getan werden kann, dass wird bei der Kampagne Klima fair bessern thematisiert (die ja auf ThemaTisch sowieso nichts Neues ist). Gestern wurden mehr als 20.000 Unterschriften an Umweltminister Berlakovich übergeben, gemeinsam mit vielen Kindern:

Eisbären-Video via Online-Snax, via Rafael Buchegger

"... und raus bist du!" Armutszeugnis Frauenarmut

Kann man "Armut" als eine Form von Gewalt ansehen? Ich meine JA, denn Armut schwächt, grenzt aus, verhindert Entfaltung ... sie benachteiligt systematisch eine ganze Gruppe: Armut betrifft Frauen in viel höherem Maß als Männer, siehe Lohndifferenz oder Besitzverteilung.
So hat sich auch heuer wieder eine Veranstaltergemeinschaft zusammengetan, um zum Internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen ein POLITISCHES NACHTGEBET FÜR FRAUEN zu veranstalten. Die Planungsgruppe besteht aus Frauen der Katholischen und Evangelischen Kirche, von Amnesty, Caritas usw. und ich arbeite dort für meinen Bereich "mensch&arbeit" bereits zum dritten Mal mit. Durch die Breite des Themas ist uns die Themenfokusierung diesmal schwer gefallen, doch nun haben wir es gut hingekriegt, denke zumindest ich. Exemplarisch werden wir einige Ursachen herausgreifen, die Frauen in die Armut schlittern lassen bzw. deren Armut verstärken.
Stattfinden wird dieses Politische Nachtgebet für Frauen am 25. November 2009 um 19.30 Uhr in der evang. Martin Luther Kirche an der Linzer Landstraße.
Übriges: FÜR Frauen heißt nicht, dass nur Frauen kommen sollen, sondern dass für Frauen gebetet wird ...

Der Kindergarten, die Schule, die Unis brennen!

Dass in Östereich die Studierenden protestieren, weiss mittlerweile jede und jeder. Und es ist den Studierenden zu danken, dass endlich wieder wirklich breit öffentlich über den Sinn von Bildung "vom Kindergarten bis zur Uni" (Motto des Aktionstages am Donnerstag) diskutiert wird. Sie stellen nicht nur konkrete Forderungen (Wien, Linz) was gegen die Misstände an den Universitäten unternommen werden muss, sondern es wird auch nach der gesellschaftlichen Verantwortung der Universitäten als öffentliche Lern- und Forschungseinrichtungen gefragt. Darum gelingt auch die Solidarität mit anderen Gruppen: den Lehrenden an den Unis, den SchülerInnen, den ArbeitnehmerInnen. Seit dieser Woche ist klar, dass auch der ÖGB und die ArbeiterInnenkammer sich mit den Protestierenden solidarisch erklären.


Foto: Martin Juen via #unibrennt

Gerechtigkeit gibt es nicht von selbst


Foto: KMB-Linz

Diözesantag der Katholischen Männerbewegung. Beim traditionellen Diözesantag der KMB wurde dem Thema Gerechtigkeit Platz und Aufmerksamkeit gewidmet. Pfarrer Wolfgang Pucher aus Graz brachte es mit der Aussage "Gerechtigkeit gibt es nicht von selbst" auf den Punkt und Dr. Franz Gütlbauer schnitt in den Erklärungen der KMB einige gesellschafts- und kirchenpolitische Bereiche an, in denen Ungerechtigkeit deutlich wird und wie dem gegenüber Gerechtigkeit ausschauen könnte.
Die Erklärungen finden sich auf der Homepage der KMB unter http://www.dioezese-linz.at/kmb

„Man kann ja eh nichts tun“ – Frau schon!

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs positioniert sich mit ihrem Jahresthema am Gegenpol von Resignation und Passivität. „Verantwortlich leben – Heute gestalten wir das Morgen“ lautet das Thema. Dieses steht auch im Mittelpunkt der Dekanatimpulstreffen, welche in Oberösterreich noch bis 18. November stattfinden. Die Frauen reflektieren bei den Dekanatimpulstreffen ihren Lebensstil und überlegen gemeinsam, was wir Menschen heute brauchen und welchen Beitrag sie dazu selbst leisten können.
Denn „es kommt auf jede und jeden an, wie wir leben, mit welcher Achtsamkeit wir die Ressourcen unsere Erde nutzen, und wie wir unsere Verantwortung als Christinnen wahrnehmen“, betonen die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft, und ihre Stellvertreterin Helene Renner.

Die genauen Termine der Dekanatimpulstreffen können auf der Homepage der Kath. Frauenbewegung http://www.dioezese-linz.at/kfb abgerufen werden.

ich wüsste schon, wie's besser geht ...

FORUMTHEATER - eine Möglichkeit zum Auszuprobieren

Wenn ich problematische Situationen beobachte, denke ich oft, ich würd' es anders angehen. Forumtheater ist eine hochspannende Möglichkeit, sich unterschiedliches Verhalten zu schwierigen Themen anzusehen, bzw. selber auszuprobieren.
Das Forumtheater ist die zentrale Methode im Theater der Unterdrückten, entwickelt von Augusto Boal (1931-2009). Es stellt dem Publikum eine Szene vor, die offen bzw. unbefriedigend endet. ZuschauerInnen können in die dargestellte Szene einwechseln und das „Opfer“ ersetzen. Hier geht es um Antworten auf die Fragen: Was würde ich in der dargestellten, gespielten Situation tun? Wie können wir durch unsere Ideen und unser Handeln die Situationen verändern?

Ab 22. Oktober findet das Welt ForumTheater Festival Österreich 2009 statt, vieles davon in Linz (Bildungshaus Betriebsseminar …). Ausführliche Informationen dazu findest du unter www.WeltForumTheaterFestival.at

Verantwortung übernehmen

Pfarrer Wolfgang Pucher aus Graz spricht als Festredner beim Diözesanatag der Katholischen Männerbewegung am Samstag, den 24. Oktober um 9.00 Uhr in Wels und meint zum Jahresthema "Gerechtigkeit" der Katholischen Männerbewegung:
"Die Welt ist voller Ungerechtigkeit im Großen und im Kleinen. Selbst Gerichte können nicht Gerechtigkeit schaffen, nur Ordnung. Verschiedene Versuche, die Gerechtigkeit vor allem im sozialen Bereich zu erzwingen, mündeten in einem unmenschlichen System voll Gewalt und neuem Unrecht. Das Christentum überträgt dem Einzelnen und der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden die Verantwortung für den Nächsten. Es verlangt gegenseitige Achtung und ein Teilen dessen, was wir haben und können mit den Schwächeren. Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle das Gleiche haben, sondern dass jeder an den Gaben der Schöpfung jenen Anteil bekommt, den er für ein menschenwürdiges Leben braucht. Es ist eine Vorahnung jenes Gottesreiches, zu dem wir unterwegs sind".
Männer und Frauen sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen.
Mehr Information zur Kath. Männerbewegung unter: http://www.dioezese-linz.at/kmb

Jahresthema Gerechtigkeit

Die Katholische Männerbewegung (KMB) setzt sich im Arbeitsjahr 2009/2010 mit dem Schwerpunktthema "Gerechtigkeit konkret" auseinander.
Diesbezüglich werden Veranstaltungen mit Vorträgen abgehalten, Berichte und Diskusssionen im Männermagazin Ypsilon aufgearbeitet und der Diözesantag am 24.Oktober in Wels abgehalten. Im November startet die MÄNNER-Vortragsreihe im Wissensturm Linz. Nähere Informationen zur KMB-Arbeit finden sich auf der Homepage der KMB-Linz; www.dioezese-linz.at/kmb

Entsicherung, Minisicherung, Mindestsicherung

Teller

Eigentlich ist es nicht zu glauben. Österreich, eines der reichsten Länder der Welt - und ein Land in dem für Banken offenbar noch immer genug Geld da ist, ist auch nach jahrelanger Debatte nicht fähig, für alle eine bedarfsorientierte Mindestsicherung sicherzustellen. Denn das jetzt beschlossene Modell mit diesem nach ist nach der Armutskonferenz eine "Sozialhilfereform mit Mindestsicherungselementen". Die Katholische Sozialakademie Österreich findet deutliche Worte: "Die Bundesregierung beschließt eine 'Ent-Sicherung'" und "Bewusst wird die Höhe so niedrig angesetzt, dass Menschen in Armut leben müssen. Die einen werde de facto für ihre Situation bestraft. Die anderen, die noch über existenzsichernde Erwerbsarbeit verfügen, werden dadurch ermahnt."

Die Höhe der Mindestsicherung beträgt 733 € und das gibt es nur 12 und nicht 14 Mal. 733 € liegen unter der offiziellen Armutsgrenze, was Mario Dujakovic dazu veranlasst in seinem Blog zu fragen: "Vielleicht ist ja mein ökonomisches/mathematisches “Fachwissen” ja “zu begrenzt” um so etwas zu verstehen, aber ist diese Maßnahme dann nicht sinnlos? Oder noch präziser: Ist die Höhe der Mindestsicherung nicht viel zu niedrig angesetzt worden, um ihren Zweck zu erfüllen? Die Armut in Österreich zu beseitigen oder zumindest zu lindern".

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