Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung

Nachtrag zu ArbeitsFAIRteilung

Rund ums Thema Arbeit / Arbeitslosigkeit / Umbewertung von Arbeit gibt es einiges nachzulesen in Information-Diskussion, Ausgabe Februar 2010. Interessant finde ich die Beiträge über komplementäre Arbeitsformen, integrative Leitvisionen, neue Arbeit usw. Diese Visionen weiten den Blick über die Erwerbsarbeit hinaus auf andere Arbeitsbereiche (Reproduktionsarbeit, Bürgerarbeit z. B.) und zeigen, dass Veränderungen des  "Mobile-Teilchens" Erwerbsarbeit nur im größeren Zusammenhang diskutiert werden können.

ArbeitsFAIRteilung

"Bevor i d'Hackn verlier, hab i liaba Kurzarbeit", sagte gestern ein Verwandter zu mir. Bereits im Vorjahr hatten sie in seiner Firma Kurzarbeit. Immer wieder verlängert dauerte sie letztendlich das gesamte Jahr, als Alleinverdiener mit drei Grundschulkindern wurde es finanziell spürbar enger - aber es war zum Auskommen.
Kurzarbeit kann bedeuten, vorhandene Arbeit fair aufzuteilen und: sie kann den Blick öffnen für das Leben außerhalb der Erwerbsarbeit. Ich vermute, so mancher kam auf den Geschmack und merkte plötzlich, wie angenehm es ist, wenn die Berufsarbeit nicht das ganze Leben frisst.
Also warum nicht generell weniger erwerbsarbeiten? Es gibt genug andere, notwendige  Arbeit, die getan werden muss, damit unser Leben und unsere Gesellschaft gut funktioniert. Dass sich Kurzarbeit (= kürzere Normalarbeitszeit) organisieren lässt, hat das vergangene Jahr gezeigt. Also bleibt die Frage nach dem Willen zur Umsetzung. Und die Frage nach einem angemessen Einkommen zum Auskommen. Doch diese Frage stellt sich für viele so oder so.

"Gute Arbeit"

Wie arbeiten wir eigentlich? Müssen wir so arbeiten? Wie wollen wir zukünftig arbeiten? Was kann aus christlicher Sicht „Gute Arbeit“ genannt werden?
Dazu eine Vision zur Arbeit von Frithjof Bergmann : „Für die Zukunft ist es notwendig, eine Arbeit zu finden, an die man glaubt und die man gerne tut und nicht mehr oder minder erleidet. Eine Arbeit, die erhebt statt zu erniedrigen, die belebt, statt bedrückt, die Kraft gibt, anstatt die Seele auszusaugen.“

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Seit 2002 gibt es die Kampagne „GUTE ARBEIT“, die von KAB und Betriebsseelsorge  getragen wird. Die zur Kampagne gehörende Website http://www.gutearbeit.at wurde nun neu gestaltet.
GUTE ARBEIT soll eine gesellschaftliche Diskussion anregen, die die Arbeitswelt in all ihren Zusammenhängen einschließt. Dabei soll die einseitige Fixierung auf die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt und aufgebrochen werden: Der Mensch steht im Mittelpunkt von Arbeit und Wirtschaft. Es geht dabei um einen Schritt zu mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt Österreichs.
Im Zentrum stehen neben dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit
• die Würde des Menschen: Gute Arbeit muss als sinnvoll erlebt werden können.
• die Verteilungsgerechtigkeit: Gute Arbeit ermöglicht Existenzsicherung für alle.
• die Umweltverantwortung: Gute Arbeit gestaltet und schützt die Welt.
 

Armutszeugnis Frauenarmut

Das Politische Nachtgebet für Frauen unter dem Titel "... und raus bist du - Armutszeugnis Frauenarmut" hat inzwischen stattgefunden. Es war eine engagiert gestaltete Feier und ich habe gefunden, dass das Anliegen gut rübergekommen ist: Frauenarmut ist (auch!) ein gesellschaftlich-strukturelles Problem, Armut diskriminiert, grenzt aus, beschneidet Lebensmöglichkeiten. Exemplarisch haben wir Veranstalterinnen anhand von sieben Stichworten Lebensrealitäten aufgezeigt, die Frauen in die Armut schlittern lassen bzw. deren Armut verstärken. Schnell steht in so einem Fall frau – symbolisch gesprochen – nur noch im Hemd da.

Dass Frauen und Männer gleiche Würde und Rechte haben und selbstverständlich auch Frauen ein Recht auf Arbeit zu gleichem Lohn, auf Bildung, Erholung und einen entsprechenden Lebensstandard haben, wurde durch dieses Politische Nachtgebet eindrücklich ins Bewusstsein gerufen.
Zum Nachlesen und -schauen hier ein paar Eindrücke.

Manipulation - wie selbstbestimmt leben wir?

Wir werden heutzutage mit Informationen überflutet und mein Eindruck ist, dass es sich dabei viel mehr um Manipulation(sversuche) als um tatsächliche Information handelt z. B. div. Aussendungen zu Wirtschaft und Politik, Werbeprospekte, usw.
Wie kann es gelingen, das Hinüberkippen von der Selbst- in die Fremdbestimmung zu vermeiden? Welche Rolle spielen dabei auch die Medien, wer vertritt welche Interessen? Ich denke, es lohnt sich, darüber einmal wirklich nachzudenken. Eine Anregung dazu bietet die neue Ausgabe von INFORMATION-DISKUSSION der KAB OÖ.

Zum Hineinschnuppern ein kleiner Impuls:
Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, an Information heranzukommen, in jeder nur vorstellbaren Form und in unterschiedlichster Tiefe und Ausführlichkeit. Noch nie hatten wir so eine Fülle an Medien, derer wir uns bedienen können oder die auf uns zukommen – gefragt oder ungefragt.

Ist diese Fülle an Informationen und Medien:
– Meinungsbildung oder ‚Meinungsaustausch’?
– Vielfalt oder Einfalt?
– Erweiterung meiner Sicht der Dinge oder eine Verkürzung?
– Dienst oder Machtausübung?
– Nur ein anderer Standpunkt oder will mich jemand steuern?

Ich begegne täglich verschiedensten Formen von Informationen, der Meinungsvielfalt und auch der damit einhergehenden Meinungsmache:
- Da ist der Überzeugte oder der Beseelte, der mir seine Sichtweise überstülpt oder mich auch überrollt, sein Denken (seine Brille, sein Filter) akzeptiert keine andere Sichtweise.

"... und raus bist du!" Armutszeugnis Frauenarmut

Kann man "Armut" als eine Form von Gewalt ansehen? Ich meine JA, denn Armut schwächt, grenzt aus, verhindert Entfaltung ... sie benachteiligt systematisch eine ganze Gruppe: Armut betrifft Frauen in viel höherem Maß als Männer, siehe Lohndifferenz oder Besitzverteilung.
So hat sich auch heuer wieder eine Veranstaltergemeinschaft zusammengetan, um zum Internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen ein POLITISCHES NACHTGEBET FÜR FRAUEN zu veranstalten. Die Planungsgruppe besteht aus Frauen der Katholischen und Evangelischen Kirche, von Amnesty, Caritas usw. und ich arbeite dort für meinen Bereich "mensch&arbeit" bereits zum dritten Mal mit. Durch die Breite des Themas ist uns die Themenfokusierung diesmal schwer gefallen, doch nun haben wir es gut hingekriegt, denke zumindest ich. Exemplarisch werden wir einige Ursachen herausgreifen, die Frauen in die Armut schlittern lassen bzw. deren Armut verstärken.
Stattfinden wird dieses Politische Nachtgebet für Frauen am 25. November 2009 um 19.30 Uhr in der evang. Martin Luther Kirche an der Linzer Landstraße.
Übriges: FÜR Frauen heißt nicht, dass nur Frauen kommen sollen, sondern dass für Frauen gebetet wird ...

Glaubst du noch an Märchen?

Nein, es geht hier nicht um Geschichten für Kinder, sondern um jene Märchen, die uns aufgebunden werden - übers Steuerzahlen.
Tagtäglich werden wir mit Geschichten gefüttert, wie z. B. dass Steuersenkungen allen mehr Geld bringen oder dass das Bankgeheimnis mein Erspartes schützt. In Wirklichkeit gehören diese Geschichten ins Reich der Mythen und dienen dazu, einen gerechten Beitrag aller zum Gemeinwohl zu verhindern. Nun wurde von der KAÖ ein kleines Büchlein herausgegeben, in dem einige dieser Märchen entlarvt werden um damit einen Denkanstoß zu mehr Steuergerechtigkeit zu geben.

Beispiel gefällig? Das Erbschaftssteuer-Märchen (= die Abschaffung der Erbschaftssteuer nützt auch dem kleinen Mann/der kleinen Frau) wird kurz und prägnant kommentiert:
"Von der Streichung der Erbschaftssteuer profitieren überwiegend die Reichen. Während sich seit 1990 die Zahl der Erbschaften im obersten Vermögenszehntel mehr als verdoppelt haben, ging die Zahl der ArbeiterInnenhaushalte die etwas geerbt haben, von 18 % im Jahr 1990 auf 13 % im Jahr 2004 zurück. Untersuchungen - etwa der Nationalbank - beweisen, dass erben sehr schichtabhängig ist: Die Abschaffung der Erbschaftssteuer verfestigt die Ungleichheit!"
Mehr dazu unter www.kaoe.at

ich wüsste schon, wie's besser geht ...

FORUMTHEATER - eine Möglichkeit zum Auszuprobieren

Wenn ich problematische Situationen beobachte, denke ich oft, ich würd' es anders angehen. Forumtheater ist eine hochspannende Möglichkeit, sich unterschiedliches Verhalten zu schwierigen Themen anzusehen, bzw. selber auszuprobieren.
Das Forumtheater ist die zentrale Methode im Theater der Unterdrückten, entwickelt von Augusto Boal (1931-2009). Es stellt dem Publikum eine Szene vor, die offen bzw. unbefriedigend endet. ZuschauerInnen können in die dargestellte Szene einwechseln und das „Opfer“ ersetzen. Hier geht es um Antworten auf die Fragen: Was würde ich in der dargestellten, gespielten Situation tun? Wie können wir durch unsere Ideen und unser Handeln die Situationen verändern?

Ab 22. Oktober findet das Welt ForumTheater Festival Österreich 2009 statt, vieles davon in Linz (Bildungshaus Betriebsseminar …). Ausführliche Informationen dazu findest du unter www.WeltForumTheaterFestival.at

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