Mein Kirchenwunsch
Das Projekt #Kirchenwunsch fordert heraus. Wünsche an die Kirche zu formulieren ist vieles zu gleich: aufmunternd, herausfordernd, in einer Zeit des erschütterten Vertrauens in die Institution aber auch die Möglichkeit, mitzudenken und mitzubeten.
Ich kenne das Lied der Toten Hosen „Wünsch dir Was“ – dabei geht es unter anderem um die Wiederauferstehung des Heiligen Geistes, über den Wunsch, dass Gut über Böse triumphiert. Ist das nicht etwas vereinfacht und naiv, der kindliche Wunsch, dass Gut über Böse triumphiert?
Ich glaube an den Heiligen Geist und vor allem an die Macht des Guten als ein Potential, das allen Menschen zugänglich ist – nicht nur im Gebet, sondern auch und vor allem in den vielen Handlungen, die dem Leben und dem Glauben eine Richtung geben.
Etwas bedauerlich ist für viele, dass manches Bemühen und mancher Wusnch um eine „Kirchenrenovierung“, wenn überhaupt gehört, auf Unverständnis und Widerstand stößt – nämlich dort, wo am Meisten beweget werden könnte.
Wenn ich meinen persönlichen Kirchenwunsch formuliere, so ist es das Hoffen auf ein Brausen des Heiligen Geistes, der alles Bemühen um eine Kirche im Geiste Jesu in ein Miteinander aller Getauften münden lässt.
Hinaus ins Leben – Ein halbes Jahr Freiwilligkeit in Indien
Heute Abend war ich im Pfarrsaal Ottensheim bei einem Bildvortrag der jungen Ottensheimerin Theresa Baumgartner, die von Okotber 2008 bis März 2009 im Waisenhaus „Daddy’s Home“ in Andhra Pradesh, Indien, ein paar Monate ihres Lebens verbrachte. In diesem Haus, dem eine Schule angeschlossen ist, finden verstoßene Kinder oder Alte, Straßenkinder, HIV-Kranke und andere, die es in der indischen Gesellschaft schwer haben, Zuflucht und eine neue, sehr große Familie.
Viele Bilder und Textfolien, die Theresa’s Aufenthalt dokumentierten, haben mich tief berührt. Nicht, weil ich noch nie gesehen hatte, wie einfach, ärmlich und trotzdem freudig Menschen leben. Sondern deshalb, weil ich einige zwar nicht neue, aber dennoch vertiefende Erkenntnisse aus diesem Vortrag ziehen konnte:
In diesem Waisenhaus leben Hindus, Christen und Moslems problemlos zusammen. Es werden katholische Messen und ebenso hinduistische bzw. muslimische Feste gefeiert. Wenn ich an die Situation in Europa denke, wo Pseudo-ChristInnen gegen die drohende Gefahr, die von anderen Kulturen und Religionen ausgehe, hetzerische Kampagnen betreiben, dann denke ich mir: Von den einfachen und armen Menschen könnten wir lernen, denn für diese Menschen in Indien zählt nur eines: eine große Familie zu sein, in der jede und jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass alles gut läuft.
Fasten: Auf dem Weg zur Fülle
„Fasten“ und „Fülle“ – könnte glatt ein Widerspruch sein. Stimmt. Wenn man Fülle als "Völlern", "Saufen" oder "Fressen" versteht, so wie es Jesus unterstellt wurde (Mt 2,19: „Der Menschensohn ist gekommen, er ißt und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen“). Aber, das sagt der zweite Halbvers: Und doch hat die Weisheit recht bekommen.
Wie ist das nun mit dem Fasten und der Fülle?
Fasten kann sehr traditionell als Verzicht auf gewisse Lebensmittel oder
Dinge verstanden werden. Es gibt viele im Trend liegende Optionen:
Twitter-Fasten, Stress-Fasten, Autofasten… Auf welches Ziel hin, könnte eine sehr hilfreiche Frage sein. Ich verstehe Fasten als „Sich-Lösen“ von Dingen oder Gewohnheiten, die etwas sehr Schönes und Wertvolles be-Schatten oder verhindern: Leben in Fülle (Joh 10,10: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu
vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“).
Die Elberfelder Bibel kennt noch eine Steigerung von „Fülle“: „Überfluss“ („damit sie Leben haben und esin Überfluss haben“). Toll, welche lebensbe-ja-hende Botschaft Jesus rüberbringen wollte:
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben – in Überfluss!
Valentin und die Liebe...
(c) pixelio.de/wrw
Bischof Valentin, der am 14. Februar 269 sein Leben
gelassen haben soll, ist der Namensgeber des „Valentins-Tages“. Angeblich ist
er deswegen Patron der Liebenden, weil er Liebende entgegen kaiserlichen
Verbotes getraut hat. Ein paar Konjunktive zu Beginn sollen nicht darüber
hinweg täuschen, dass der Valentinstag heute zu einem „Tag der Liebe und der
Liebenden“ geworden ist – im Indikativ.
Ich finde es eine schöne Bewandtnis,
dass gerade ein Märtyrer Schutzherr aller Liebenden ist. Denn echte Liebe kennt
keine Grenzen, nicht einmal die Grenze des irdischen Lebens, den menschlichen
Tod.
Wenn jährlich am 14. Februar vielerorts ein „Fest der
Liebe“ gefeiert wird, dann soll dieser Tag ins Bewusstsein rücken, dass allen
Menschen dieser Erde und eben uns als Christinnen und Christen etwas geschenkt
ist, das unüberbietbar ist: Die Liebe des mütterlichen und väterlichen Gottes,
die sich nie und nimmer in die Schranken weisen lässt. Es ist uns zugesagt: „Die
Liebe hört niemals auf“ (1 Kor 13,8). Das, was sich zwischen zwei Liebenden
ereignet, ist ein Abbild des „Ja-Wortes“ Gottes, das er der Menschheit zugesagt
hat und zusagt.
Jahreswechsel
Immer, wenn der 1. Jänner naht, gehen damit viele Dinge einher. Manche machen sich Vorsätze fürs neue Jahr, manche blicken zufrieden oder auch nicht zufrieden zurück auf das vergangene Jahr. Für viele sind damit ein paar arbeitsfreie Tage verbunden, vielleicht eine Feierstunde in der Kirche oder eine Party zu Silvester. Es gibt genug Menschen, die sich ein (Jahres-)Horoskop erstellen lassen oder sich die Zukunft auf andere Weise vorhersagen lassen. Für viele bedeutet der Jahreswechsel auch viel Arbeit oder einfach nur Veränderung.
So ganz sang- und klanglos (das geht schon schwer wegen der Feuerwerke) geht das Jahresende bzw. der Jahresanfang an fast niemandem vorbei.
Das Kirchenjahr beginnt ja schon früher, aber dennoch gibt die Veränderung der Jahreszahl auch Gelegenheit, noch einmal auf das vergangene Jahr zurückzublicken und das neue Jahr willkommen zu heißen. Macht es Sinn, das zu tun? Ich denke ja. Zurückschauen kann ja mehr sein, als an der Vergangenheit zu hängen. Der Blick rückwärts kann bedeuten, sich mit nicht mehr Veränderbarem zu arrangieren auf eine Weise, die gut tut. Das heißt nicht automatisch, dass ich es toll finden muss, dass etwas nicht geglückt ist. Aber mit einem „Ja“ zu mir und dem, was mir widerfahren ist, bin ich zufriedener als mit einem „Nein“ oder einem „Vielleicht“. Ein „Ja“ zum vergangenen Jahr und all dem, was sich zugetragen, verändert oder auch nicht verändert hat eröffnet mir neue Räume.
Reinhold Niebuhr, ein US-amerikanischer Theologe, formulierte einen ähnlichen Gedanken 1943 so:
Gott,
gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut,
Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine von dem andern zu unterscheiden.
Das Geschenk des Alltags
Den Alltag haben bereits viele für sich als spirituelle Quelle und Übungsfeld entdeckt. Auch mich fasziniert die Achtsamkeit auf das Alltägliche. Aber was heißt das? Für mich ist das nicht der Anspruch, das Banale zu perfektionieren, um das Alltägliche erst wieder zu etwas Besonderem zu machen. Achtsam zu sein auf den Alltag heißt für mich, die täglich wiederkehrenden Augenblicke, Bewegungen, Handlungen, Wortwechsel usw. nicht gering zu bewerten. Warum? Weil sich das Leben zu einem Großteil im ganz normalen Tagesablauf abspielt. Und wenn ich glaube, dass ich wert bin, zu leben, dann verstehe ich mein Dasein als Geschenk. Und über Geschenke freue ich mich, ich betrachte sie, bewundere sie vielleicht, oder ich ärgere mich auch darüber.
Jeden Tag stehe ich auf. Jeden Tag gehe ich schlafen. Ich esse, trinke, rede, schweige. Gewisse Dinge wiederholen sich an jedem normalen Tag. Und trotzdem sind sie jeden Tag ein bisschen anders oder ganz anders. Darin liegt ein gewisser Reiz, der die Tage auf eine ganz besondere Weise erfüllt und bis zu einem gewissen Grad auch erfüllend sein lässt. Noch reizvoller wird diese achtsame Betrachtung des Alltags, wenn ich den Blick auch immer wieder von mir selbst wegwende, um die Menschen in meiner näheren Umgebung bewusst wahrzunehmen. Manche Menschen sehe ich fast jeden Tag. Meine Frau, meinen Mann, meine Arbeitkolleginnen und –kollegen, vielleicht die Postbotin oder den Verkäufer im Supermarkt. Ich stelle mir Fragen wie „Woran denkt dieser Mensch gerade?“ oder „Was wird wohl der Grund für ihre gute Laune an diesem Tag sein?“.
Das Leben lernt von mir!

Wenn PhilosophInnen, großteils erwachsen, Erfahrungen austauschen, dann kann es schon einmal vorkommen, dass der subsumierende Satz fällt: „Wir lernen vom Leben“.
Neulich, bei einem adventlichen Morgenlob mit Jugendlichen, fiel beim anschließenden Frühstück der Satz: „Das Leben lernt von mir!“ Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. In diesen Worten eines 17-jährigen steckt sehr viel. Ich finde ihn höchst genial. Diese Einstellung zeugt von Vitalität, Kreativität, Selbstbewusstsein und Intelligenz. Denn wer daran glaubt, der weiß, dass er/sie einzigartig ist. Das tut gut. Wer vom Leben lernt, ist weise. Wer aber sagt, „Das Leben lernt von mir“, der/die hat viel mehr begriffen. Vor allem, dass er/sie unvertretbar, gewollt und geliebt dem Leben eine Richtung gibt. Dieses Selbstverständnis vereinfacht und ermöglicht vieles. Ich bin diesem jungen Mann sehr dankbar, dass er mich an meine christliche Grundberufung erinnert hat: Auch (!) als Einzelner gebe ich dem Leben und der Welt eine Richtung. Das ist in erster Linie eine Zusage, aber dann auch eine Aufgabe: Gib dem / deinem Leben eine Richtung! Lebe! Jetzt!










