Für das, was jetzt alles an Macht- und sexuellen Missbrauch aufkommt, gibt es ein ganzes Bündel von Gründen. Deshalb müssten die Schrauben an verschiedenen Stellen angesetzt und gefragt werden: Was hat diesen Dingen Vorschub geleistet? Dazu gehört sicher auch dieses männerbündlerische Zumachen. Ich glaube nicht, dass das Zölibat pädophil macht. Aber ein sehr verkrampfter Umgang mit Sexualität bietet sicher auch jenen Unterschlupf, die Probleme mit Sexualität haben, die keine erwachsene Sexualität oder keinen reflektierten Umgang damit haben.
Das sagt Margit Hauft, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich in einem Interview mit diestandard.at. Sie signalisiert Verständnis für Menschen, die wütend sind und austreten, allerdings:
Ich persönlich wünsche mir aber, dass viele innerhalb der Kirche kämpfen und sagen, was gegeben sein muss, dass man es sich weiterhin mit der Katholischen Kirche vorstellen kann.Das lässt sich auch so sagen, wie es Dr. Paul F. Roettig Paul in seiner Stellungnahme beim Projekt Engagieren statt Resignieren formuliert:
Ecclesia semper reformanda - wir können das Dorf nur dann ändern, wenn wir im Dorf wohnen und auch dort zuhause sind.Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Diskursanalyse, die Margit Hauft vornimmt. Spricht die Katholische Frauenbewegung, spricht die Katholische Frauenbewegung, spricht ein Bischof, spricht die Kirche. So ist es ungerecht, dass die vielen Stellungsnahmen der Katholischen Frauenbewegung gegen Gewalt und die Tabuisierung von Sexualität nicht als Stellungnahmen der Kirche öffentlichtlich wahrgenommen werden und gesagt wird, die gesamte Kirche habe sich dazu nicht geäußert. Diese Diskursmechanismen haben meiner Meinung nach viel damit zu tun, dass die Kirche nur als hierachische Institition wahrgenommen wird und die demokratischen, partizipativen Elemente, die es seit den 1960er-Jahren auch gibt, wenig wahrgenommen werden. Sicher auch, weil die Hierachie diesen selbst zuwenig Aufmerksamkeit zukommen lässt. Aber vielleicht wäre ein Schritt aus der Krise, eine Konsequenz aus der Krise der Kirche, genau aus diesen Diskursmustern auszusteigen und es anders zu machen als die Mainstreammedien? Und nicht zuletzt dabei das, was Frauen innerhalb der Kirche tun und leisten so stärker in den Blick zu bekommen. Margit Hauft ist für mich dabei die erste, die mir dafür als positive Identifitkationsfigur einfällt.
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Für das, was jetzt alles an Macht- und sexuellen Missbrauch aufkommt, gibt es ein ganzes Bündel von Gründen. Deshalb müssten die Schrauben an verschiedenen Stellen angesetzt und gefragt werden: Was hat diesen Dingen Vorschub geleistet? Dazu gehört sicher auch dieses männerbündlerische Zumachen. Ich glaube nicht, dass das Zölibat pädophil macht. Aber ein sehr verkrampfter Umgang mit Sexualität bietet sicher auch jenen Unterschlupf, die Probleme mit Sexualität haben, die keine erwachsene Sexualität oder keinen reflektierten Umgang damit haben.
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